Kultur+Soziales / Eiermuseum in Winden am See

 

neubau eines eiermuseums

a – 7092 winden am see, gritschmühle 1, freilichtmuseum wander bertoni

fertigstellung 03.2010

 

die aufgabe: errichtung eines privaten neubaus zur unterbringung der ca. 4.000 exponate umfassenden eiersammlung von wander bertoni.

der ort: der bauplatz befindet sich im kontext des freilichtmuseums um eine alte mühle vom bildhauer wander bertoni. der weitläufige außenraum inmitten von weingärten, wird neben einem alten baumbestand vor allem von den zahlreichen großformatigen skulpturen des bildhauers geprägt.

die position: der neubau formt zusammen mit dem alten atelierhaus und dem ausstellungsgebäude von arch. johannes spalt eine zur strasse offene (und öffentliche) hofsituation.

die grundfläche: der ei-grundriss ist ein kreis. nachdem die umgebende landschaft von den skulpturalen plastiken des bauherrn dominiert wird, wollen wir unser gebäude klar der architektur zuordnen und wählen so für den grundriss das quadrat. zusätzliche motivation dazu finden wir im quadratischen grundriss des ehemaligen wasserturms am anderen ende des mühlenensemble.

die anordnung: eine weitere besonderheit ist die vegetation am areal: es fehlen büsche und sträucher – bzw. was eigentlich als strauch wachsen wollte wie z.b. der holunder im hof, hat der bildhauer zu einem baum erzogen. die bäume aber lassen eine „sichtschicht“ von zumindest 2 m vom boden bis zum beginn ihrer kronen frei, so dass fast überall am gelände, wo keine architektur im weg steht, der blick in die umgebenden weingärten führt – für uns anlass, das gebäude vom boden abzuheben.

die form: da viele exponate bemalt sind und somit nicht dem direkten sonnenlicht ausgesetzt werden dürfen, stülpen wir ein zeltdach mit heruntergezogenen rändern zum schutz über den künftigen inhalt. ein abstand zwischen dach und galerieebene ermöglicht durch reflexion die indirekte beleuchtung des obergeschosses mit ausreichend tageslicht.

das tragwerk: der vorstellung der maximal freien sichtschicht und der sehnsucht nach leichtigkeit kommt eine weitere und schließlich tragende überlegung zugute: die meisten kreaturen, die eier legen, wie sie bertoni sammelt, haben nicht 4 sondern 2 beine – das wäre nur sehr aufwendig zu konstruieren. da wir aber auch noch eine stiege benötigen, um auf die hauptebene zu gelangen, konnten wir diese als „heimliche“ dritte stütze verwenden und die 27 spannstangen samt tellerfedern halten die vorverformte stahlkonstruktion schließlich schwingungsfrei in ihrer position.

der raum: das gebäude beherbergt 2 vollkommen unterschiedliche innenräume: der untere, komplett verglaste, sucht und schafft extrovertiert die verbindung zur umgebung. dabei dient das erdgeschoss als vitrine und wird so auch bei geschlossenen türen teil des freilichtmuseums. der obere ist introvertiert und fördert die auseinandersetzung mit seinem inhalt. während unten die eier gezeigt werden, die sonnenlicht vertragen (steineier, porzellaneier, etc.) sind oben die lichtempfindlichen untergebracht.

die inneneinrichtung: alle von uns geplanten möbel (vitrinen, regale und schaukästen) sind derart mit dem gebäude verbunden, dass sie den jeweiligen fussboden nicht berühren. ausnahme hiervon sind 2 scheiben, die als wandvorlage für holzvitrinen des tischlers walter loos aus der sammlung bertoni dienen und in denen zugleich die elektroverteiler untergebracht sind. alle elemente sind modular aufgebaut, so dass sie erweiterbar sind und so das gewünschte wachsen der sammlung ermöglichen.

das material: außen überwiegt – entsprechend der nachbarschaft – das kupfer der dacheindeckung gefolgt von den verbundglasscheiben der vertikal- und der schrägverglasung. für die glasstöße haben wir silikonprofile entwickelt, die nicht – wie bei einer nassverglasung mit silikon – als wartungsfugen gelten. die stahlbetonfundamentplatte wurde als gleichzeitiger fertigfussboden flügelgeglättet und geht in einem stück als verbindendes element von außen nach innen durch. innen dominiert die farbe weiß in satt-matter ausführung, um den überwiegend sehr kleinen exponaten einen maximal ruhigen hintergrund zu geben. einzig der fußboden auf der galerie macht hier eine ausnahme: weit entfernt von den eiern ist er aus riemen von lärchenschichtholzplatten und fließt als verbindung zum erdgeschoss zwischen den stahlwangen der stiege in form von treppenstufen bis hinunter zum stahlbeton.

www.eiermuseum.com/