Wohnen / Haus W

 

landhaus w. - umbau eines zuvor landwirtschaftlich genutzten hofes in einzellage zu einem vorläufigen wochenenddomizil mit der option auf ständiges wohnen.

a - waldviertel/niederösterreich

2008

 

ursprünglich von zwei familien getrennt genutzt, wurde ein alter bauernhof im waldviertel, dessen ältester part aus dem 18. jahrhundert stammt, in den 70er jahren um einen zubau erweitert. oberste priorität bei der umgestaltung zu einem zeitgemäßen landhaus war der kontakt zur natur. inmitten des wellentals einer kraftvollen hügellandschaft gelegen, ist das wochenenddomizil ein idealer rückzugsort. zugleich wurden alle voraussetzungen geschaffen, um das haus langfristig als ständigen wohnsitz einzurichten. davor musste jedoch noch versorgung mit wasser und energie gewährleistet werden. erst tiefenbohrungen durch die gneis-schichten ermöglichten den hauseigenen brunnen.

ulrike schartner und alexander hagner von gaupenraub arbeiten gerne mit bestand und legten im sinne eines authentischen außenauftritts auch an manchen stellen das mischmauerwerk frei. strukturell geht die architektur mit dem system, durch die wahl der eingesetzten mittel bei form und material entsteht eine kontrastreiche wirkung. zur dachgestaltung des zubaus wurden 30 modelle angefertigt, die in varianten aufzeigten, wie der knick verlaufen soll. zugleich orientierte sich gaupenraub bei der erweiterung an der firsthöhe des bestands. der kompakte zubau an exponierter stelle setzt dezent genau eine dachziegelhöhe darunter an, so sind die verhältnisse zum haupthaus klar formuliert.

vorbild für das raumkonzept des umbaus war die spezifische kulturlandschaft der region: die abschüssigen, längsorientierten felder sind nicht terrassiert, sondern horizontal addiert, die böschungen werden über schmale wiesenstreifen ausgeglichen. dieses moment der niveaudifferenzierung machte sich das architektenduo zu eigen und erzeugt mit horizontalen schichtungen innerhalb der bauteile eine dynamische bewegung, die sich durch das haus zieht. je weiter man ins innere kommt, umso mehr öffnet sich der raum und verlässt die traditionelle, kleinteilige dimension, die in der großzügigen küche mit essbereich ihren anfangspunkt nimmt und über das wohnzimmer zur bibliothek führt. hier tut sich die decke auf, nötig für das klangvolumen der orgel, die noch in wien auf ihren einsatz wartet. angelpunkt der drehbewegung nach oben ist der kamin. auf dem weg ins schlafzimmer begibt man sich über die dinge, um schließlich im intimsten bereich, im badezimmer, dessen westseite komplett verglast ist, einen freien blick auf das weitläufige areal zu erhalten. den besten blick hat man von der badewanne aus. über glasbausteine fällt das abendlicht ein. das fürs ankommen am land zum sinnbild gewordene öffnen der fensterländer, verbunden mit dem gefühl frei durchzuatmen, wird über die architektur vermittelt. die transparenz bedeutet aber auch die notwendigkeit eines schutzes vor einblicken, selbst in der einschicht, denn der wald ist voller hochstände. und wo gejagt wird, sind ferngläser nicht weit. der kirschbaum vor dem schlafzimmer fungiert als sichtschutz und wird durch die beleuchtung bei nacht zugleich zur überdimensionalen „stehlampe“.

text theresia hauenfels

fotos patricia weisskirchner