Wohnen / Haus Nussberggasse

 

haus nussberggasse

a - 1190 wien, nussberggasse

2001

 

eingriffe mit grips
gut überlegte eingriffe des architekturbüros gaupenraub+/- verwandelten ein schlichtes reihenhaus in eine großzügige bleibe mit mehrwert.
ursprünglich plante die junge bauherrenfamilie das reihenhaus am rande der weinberge im norden wiens nicht wesentlich zu verändern. dass sich schließlich im inneren doch eine ganz neue qualität von wohnen ergab, ist den cleveren eingriffen von alexander hagner vom wiener büro gaupenraub +/- zu verdanken.
im erdgeschoss des langgestreckten hauses (baujahr 1963) addieren sich die funktionen kochen, essen, wohnen-indoor und wohnen-outdoor in einer folge von raumschichten von der strassenseite richtung garten.
das thema des verbindens und trennens von räumen wurde dabei in mehrerlei hinsicht behandelt: drei raumhohe glasschiebewände mit schlanken metallrahmen trennen die raumflucht, jeweils eine gläserne tür am rand sorgt für den schnellen durchgang. raffiniert gelöst ist bei den innentüren der „schliessmechanismus“. es gibt kein schloss, sondern nur türgriffe, für die schließfestigkeit sorgen klettverschlüsse. ist die durchlässigkeit nicht nur optisch gewünscht, können alle wände, auch die terrasse, zur seite geschoben werden, und es wird raumübergreifend bis ins freie barrierefrei gewohnt. eine weiße markise und ein natürlicher vorhang aus immergrünen kletterpflanzen sind der eigentliche raumabschluss und machen die terrasse zu einem geschützten aussenwohnbereich.
als verbindendes element wirkt auch die lange regalwand. da an dieser seite die aussenwand mit dem nachbarn geteilt wird und der dämmstandard daher sinnvollerweise ohnedies erhöht werden musste, reagierte hagner hier mit einer gedämmten vorsatzschlag aus gipskarton, in die er ein metallschienensystem, das üblicherweise im ladenbau verwendung findet, integrierte. die schienen erstrecken sich in regelmäßigem streifenmuster über die gesamte längswand.
regalbretter aus eiche können je nach bedarf montiert werden. je nach raumfunktion nehmen sie entweder verschiedene küchenutensilien, essgeschirr oder die bibliothek auf. die einheitliche formgebung und die linearität strecken den raum zusätzlich.
im obergeschoss liegen die schlafzimmer. da das elternschlafzimmer ziemlich knapp bemessen war und rund um das doppelbett kaum platz geblieben wäre, entschloss man sich kurzerhand für eine schlaue und zugleich effektvolle raumausdehnung ins stiegenhaus. das betthaupt schiebt sich als gebogener raumabschluß aus dem zimmer in den luftraum über der treppe. innen entstand dadurch eine behagliche schlafkoje mit holzoberfläche, in die ein vorhandener lattenrost integriert wurde.
im treppenhaus baucht sich die edelstahlblech verkleidete rückseite der schlafskulptur als schimmerndes objekt heraus. rahmenlose glasstreifen sorgen an seiner ober- und unterseite für lichtdurchlässigkeit.
an diesem kleinen haus, dessen hülle von den eingriffen völlig unberührt blieb, lässt sich gut ablesen, welches potenzial mittels kluger planung aus vorhandener bausubstanz entwickelt werden kann. die ansprüche einer modernen familie, zeitgemäße architektonische interventionen und die qualitäten eines hauses mit den spuren früherer bewohntheit wurden zu einem gebrauchstüchtigen und ansprechenden ambiente mit pfiff verknüpft.

(text: franziska leeb, 2001)