Gewerbe / Friseursalon Herold

 

friseursalon herold, geschäftslokal

a – 1010 wien, stoss im himmel 1

2001

 

mein wunderbarer friseursalon

die lage des leerstehenden geschäftslokals in der kleinen versteckten seitengasse, die zu den wenigen noch ruhig verträumten ecken der inneren stadt zählt, war offensichtlich für die auswahl des ortes zur neuerrichtung eines friseursalons massgebend. zur erzielung maximaler grosszügigkeit eines weitläufigen innenraums wurden alle unnötigen zwischenwände der hohen räume entfernt, vermauerte öffnungen freigelegt und bestehende durchgänge verbreitert. weiß ausgemalte wände und dunkler parkettboden schließen die substanzielle renovierung ab. der eigentliche entwurf besteht aus zwei möblierungselementen: den sogenannten „wurms“, einer räumlichen struktur, die das haareschneiden ermöglicht und dem rezeptionspult.

die „wurms“ sind ein 38m langes, 2m hohes band, das sich in sechs fragmente gegliedert schwebend durch das gesamte lokal schlängelt und sämtliche funktionen wie spiegel, ablage, fußstange, regal, lager, paravent, trennwand, garderobe, shampoomixplatz, handtuchsammler, träger der beleuchtung, musikanlage und lautsprecher beinhaltet. die mit einem wechselspiel aus spiegel und glasfaserverstärktem polyester bekleidete konstruktion schirmt haustechnik und lagerräume vom kunden ab, schafft neue nebenräume und vorbereiche und leitet die drei hauptbereiche schneiden, schminken und färben fließend ineinander über. „sehen und gesehen werden“  wird gleichsam wie zurückziehen „hinter den kulissen“ ermöglicht.

das kombinierte empfangs- und barpult wendet sich mit seinem lederüberzogenen winkel richtung eingang. die innenseite weist betonfertigteile und aufwendige gußteile, in die porzellanwaschbecken direkt eingelassen sind, auf. italienische sitzmöbel runden das bild nicht nur farblich ab. das satte dunkelbraun der holzlehnen und weiche beige ihrer ledernen sitzflächen fügen sich wie aus dem selben guss in die welt der schillernden polyester- und lichteffekte, mattem edelstahl und nüchternem sichtbeton.

der bauherr erwartete sich für sein geschäft, das auch mode- und frisurenschauen, ausstellungen, seminare und produktpräsentationen entsprechenden rahmen geben soll, keine „friseurtypische“ baulösung. daher fiel die wahl wohl auf eine mit dem friseurmetier bislang nicht vertraute architektengruppe, deren experimentelles vorgehen den entstehungsprozess und die kommunikation unter den beteiligten in den vordergrund stellt.

(text: marion kuzmany, 2001)